Geldgeschichte
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Vormünzliche Zahlungsmittel
Von Jurczok / Lösch / Nagl
In vorchristlicher Zeit war Geld noch keine geprägte Münze und auch kein »Scheinchen«. Damals, in den »vormünzlichen Epochen«, gab es auf unserem Globus Zahlungsmittel, die uns heute so exotisch wie die Zeremonien fremder Konfessionen erscheinen.
Quelle: Helvetische Münzenzeitung
Der erste Handel unter Menschen war sicherlich ein Tauschgeschäft – Güter gegen Güter. Man kann auch von gegenseitigem Beschenken sprechen, aus welchem Anlass es auch geschehen mochte. Aber der Tausch erwies sich als eine nicht immer befriedigende Abwicklung beim Veräussern und Erwerben begehrter Dinge. Aus dieser Erfahrung haben sich die »Keimlinge des Geldes« in den grauen Vorzeiten unter den Menschen in den verschiedenartigsten Lebensgewohnheiten entwickelt.
Man braucht etwas Fantasie, um sich zurückzuversetzen in diese Vielfalt der Wurzeln der Geldgeschichte. Ein Zahlungsmittel bedurfte einer ganzen Anzahl von Eigenschaften und Reizen, die dem Empfinden der Menschen etwas Begehrenswertes abforderten. Wenn man die Aufspeicherung der Ergebnisse aus Fleiss und Arbeit als einziges Ziel in der Geldverwendung immer so gesehen hätte wie heute, hätte Geld wohl weltweit ein ziemlich einheitliches Aussehen gehabt. Die Vielfalt dieser »primitiven« Wertzeichen hat sich aber aus der völkerkundlich erforschten unterschiedlichsten Zahlungspflicht entwickelt.
Fast alle Belegstücke sind im Ursprung von Analphabeten verabredete Wertmassstäbe.
Europa - Steinzeit und Metallzeiten
Für das nördliche Mitteleuropa ist im 5. bis 3. Jahrtausend v. Chr. umfangreicher Handel mit Feuerstein nachgewiesen. Dieses begehrte Material ist über mehrere hundert Kilometer in rohen Knollen, Halbfertigstücken und fertigen Gerätschaften transportiert worden. Der Mensch dieser Zeit besass keinerlei Münzen. Handel aber hat er nachweislich getrieben und es muss als gesichert angesehen werden, dass Feuerstein dabei als ein Wertmassstab gedient hat. Ein Wert, der Naturalien wie Fellen und Getreidekörnern vorgezogen wurde. Die Metallzeiten haben zwangsläufig die Steinwerkzeuge verdrängt. Da war das Kupfer, das vorwiegend aus dem Mittelmeerraum kam – schmelzbar, schmiedbar, schleifbar – nicht so zerspringend wie Stein, haltbar dazu. Und offen getragen schmückte es als Waffe seinen Besitzer. Als es mit ca. 10% Zinn zu Bronze legiert und verbessert wurde, war es für damalige Zeiten ein repräsentativer Besitz. Jeder bronzene Gegenstand war als »Barren« geeignet, von Hand zu Hand zu gehen. Vor allem die Ringformen waren als Mittel zum Entgelten geeignet und bei Bedarf sogar teilbar. Schmuckringe in verschiedenen Grössen aus Gold, Silber, Bronze und Eisen sind in der Literatur als »Geld« ausgewiesen.
Bernstein wurde von den Römern heiss begehrt, so dass er neben seiner Schmuckfunktion leicht als Geld verwendet werden konnte. Mit den Römern kam dann auch römisches Münzgeld in das Reich der Germanen. Sicherlich nat es nur sehr langsam die bestehenden Zahlungseinheiten abgelöst.
Ein typisches Geld war über Jahrtausende die Rinderwährung – man bezahlte mit Rindern beim Brautkauf, zur Abgeltung von Strafen, Steuern und Zinsen. Lange Zeit noch blieb das so, parallel zur »römischen Münzen-Invasion«. Homer berichtet, der Preis für eine Frau habe bis zu 20 Rinder betragen.
Afrika - grosse Vielfalt an Naturalgeldern
Afrika ist einer der Erdteile, der eine ungeheure Vielfalt von Perlen-, Waffen-, Geräte-, Barren- und Naturalgeldern aufweist. Völkerkundliche Forschungsreisende haben immer wieder die Mühen der Beschaffung des richtigen Zahlungsmittels für den jeweiligen Hoheitsbereich im sogenannten »Schwarzen Erdteil« ausgedrückt. Man spricht von um die tausend verschiedenen Perlenarten aus den verschiedensten erreichbaren inländischen oder eingeführten Materialien. So etwas wie Normen hat es dabei erst sehr spät gegeben. Dem Abschluss eines Handels ging ein langes Palaver mit viel Überredungskünsten auf beiden Seiten voraus, um die Wertgefühle auf einen Nenner zu bringen. Die Kaufkraft der Perlenketten unterlag den Gesetzen von Seltenheit, Beschaffbarkeit, Begehrtheit und manchmal der vom »Prinzipal« bestimmten »Mode«. Man kann wohl als sicher annehmen, dass die Gehäuse der Kaurischnecke (lat. Cypraea moneta) die Urform der Perlen war. Die leichte Erreichbarkeit von Kauris führte manchmal zu regelrechten Inflationen, wenn die Umlaufmenge nicht eingegrenzt wurde.
Bis heute ist nicht ausreichend nachgewiesen, seit wann die vielfältigen Barren-Gelder in Afrika zirkulierten. Vielleicht bringen die vielen Ausgrabungen in diesem Erdteil weitere Klarheiten. Die Kunstfertigkeit vieler Guss- und Schmiedetechniken und die besondere Stellung der Schmiede lassen den Europäer bisher nur staunen. Einzelne Ringgelder ähneln sehr denen der alten Germanen.
Salzbarren waren in Äthiopien (Abessinien) ein begehrtes, fast genormtes Wertmass, angelehnt an den Maria-Theresien-Taler. Die Kaufkraft stieg natürlich beim Salzgeld mit der Entfernung von der Abbaustelle. Elfenbein ist ein heute noch funktionierender Wertrepräsentant. Rum oder Gin war ein »Geldtyp«, den die Handels-Seefahrer und Kolonialmächte den Afrikanern (und anderen Menschenrassen) bescherten, ohne die Auswirkungen zu bedenken.
Das Verlangen, sich mit Reichtum zu schmücken, hat den Waffengeldern ihren Reiz gegeben. Führt man sich vor Augen, was mit einem Wurfmesser alles anzufangen ist, so erkennt man die Begehrtheit sehr bald. Waffen und Geräte konnten im Laufe der Jahrhunderte bis zur reinen Symbolform schrumpfen oder auch wuchern. Dann war die Phase »Münze« schon fast erreicht.
China / Hinterindien
China hat nach heutigem Wissensstand das älteste Wertzeichen-System. Schon viele Jahrhunderte vor dem Lydier König Krösus hatte China gegossene Münzen, die den Toten für die »Überfahrt ins Jenseits« mitgegeben wurden. Spaten und Schwertmünzen sind die bekanntesten Typen, deren erste Ausgaben schon ca. 1000 v. Chr. gegossen wurden.
Die Sycee-Silberbarren wurden in recht zuverlässiger Gewichtseinteilung im 19. und noch im 20. Jahrhundert als Geld verwendet. Die Währung lautete in Tael (1 Tael ca. 37 Gramm). Teeziegel gingen von China bis nach Sibirien als Naturalgeld, von dem auch Bruchstücke als »Scheidemünze« dienten.
Die Schmuckgelder der siamesischen Bergstämme dienten vorwiegend zum Brautkauf. Sie sind aus hochwertigem Silber kunstvoll gefertigt. Tigerzungen, Bootsgeld, Kugelgeld, Blütengeld, Blattgeld und verschiedene Stadtgelder bilden eine grosse Palette von teilweise legiertem Silber als Barren-Gelder, die, weil handlich, schon als Münzen anzusprechen sind. Ihre Einzugsbereiche sind von unterschiedlicher Grösse in Thailand, Laos, Kambodscha und Burma.
Süd-Chinesisches Meer
Von den Inseln im Süd-Chinesischen Meer stammen die sanduhrförmigen, bis zu 70 cm hohen Bronzetrommeln, die kein Musikinstrument sind, sondern nur als Brautgeld den Besitzer wechselten. Aus Java ist das Krisgeld (kleine Dolchklingen aus damasziertem Stahl, schwer zu fälschen) bekannt. Aus Borneo kommen Miniaturkanonen aus Bronze, die von Portugiesen zum Sklavenkauf eingeführt wurden. Mittlere Werteinheiten bildeten an einzelnen Stellen bronzene Büffelglocken und Bronze-Gongs. Kokosnüsse und Palmfaserringe (letztere in grossen Mengen am Arm getragen) wurden auf den Märkten als »Kleingeld« gebraucht.
Ozeanien - Gelder der Menschen, die noch kein Metall kannten
Ozeanien ist eine Inselwelt, die eine Metallzeit so gut wie nicht kannte. Das Metall kam erst mit den Kolonialherren in nennenswerter Menge. Die »Währungen« sind fast ausschliesslich aus den zahlreichen Schnecken, Muscheln, Zähnen, Fasergeflechten, Federn und Matten sowie Steinen angefertigt worden. Kunstvolle Kombinationen und Fertigungen, die ein ursprüngliches Geistesleben ausdrücken, haben Nutz- und Schmuckgelder entstehen lassen, die der Europäer kaum als Zahlungsmittel erkennen kann. Die deutsche kaiserliche Kolonialmacht nahm sogar Steuern von den Eingeborenen in »Diwarra« an (ca. 6 bis 8 mm grosse Nassa-Schnecken, auf Palmfasern aufgereiht). Eine halbmondförmige Muschelscheibe namens »Kina«, die unter anderem als Brustschmuck getragen wurde, hat vor wenigen Jahren der Währung von Papua-Neu-Guinea den Namen gegeben. Diese modernen Banknoten tragen die Abbildungen der alten Geldzeichen, damit auch Analphabeten sich ihrer bedienen können. Viele Schmuckgeld-Kombinationen waren nur für bestimmte Zahlungen gedacht.
Die vielen Besonderheiten werden wohl nicht alle restlos geklärt werden können. Völker, die ihre Vergangenheit nicht niederschreiben konnten, geben hier natürlich grosse Rätsel auf.
Amerika - Geldformen vor der Eroberungszeit
Aus Südamerika berichten spanische Eroberer von Axt-Geldern, kleinen Glockengeldern, Kakaobohnen, Jadeit-Perlen und -Beilen. Teilweise wurde zu Beginn der Kolonialisierung die spanische Währung parallelisiert, z.B. 7 dünne Hackenblätter = 1 span. Real.
Aus Nordamerika kannte die Hudson-Bay Company die »Währungseinheit« Biberfell, über die vorwiegend mit den Indianern gehandelt wurde. Viele Gegenstände wie Porzellanperlen, Flinten, Pulver, Angelhaken, Beile usw. kamen aus Europa und wurden als Wertmesser behandelt. Der Indianer hatte zuvor nur Feuerstein-Geräte und Waffen, Tabakblätter und Felle, die ihm für seinen Handel dienten.
Die Erfindung des Geldes
Dr. Ursula Kampmann
Irgendwann um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. , ein bisschen früher oder ein bisschen später, begannen die Bewohner Kleinasiens im Gebiet von Lydien und Ionien damit, das herzustellen, was wir heute als Münzen bezeichnen.
Das 7. Jahrhundert v. Chr. war eine Zeit des Umbruchs, die man wohl am besten mit der Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert vergleichen könnte oder mit dem, was im Moment durch die wirtschaftliche Nutzung des Computers passiert.
In diesem 7. Jahrhundert veränderte sich die griechische Welt völlig. Eine von allen erlernbare Schrift wurde eingeführt, unzählige Kolonien rund ums Mittelmeer gegründet, zahlreiche neue technische Erfindungen in Gebrauch genommen, die Philosophie entstand und damit das Nachdenken über den Menschen selbst, seine Umwelt, die Natur der Dinge, kurz die Naturwissenschaft. Aber keine von all diesen Erfindungen der Griechen war so folgenreich wie die Einführung des Geldes in unserem heutigen Sinn.
Dabei waren die ersten Klümpchen aus Elektron, die einen Stempel trugen der ein genormtes Gewicht versprach, eigentlich gar nicht so originell. Mit haltbarem und damit wertbeständigem Metall in genormten Barren hatten schon Generationen von Händlern davor Handel getrieben. Und es gehörte für einen reichen Herrn in homerischer Zeit dazu, in seiner Schatzkammer – wie der Dichter sagt – »Gold und Kupfer und auch mühselig nur schmiedbares Eisen« aufzubewahren, um es in Notzeiten gegen Lebensmittel eintauschen zu können. Das genormte und zum Handel benutzbare Metallobjekt gab es also schon, als im 7. Jahrhundert die ersten Elektronklümpchen mit Punzen markiert wurden. Sie waren zunächst eigentlich nichts anderes als genormte Handelsware, die durch ihre Markierung das Wiegen der einzelnen Stücke unnötig machten.
Die Münze - nicht nur Tauschobjekt
Aber was war denn dann die griechische Erfindung? Weshalb erlangte die Münze als Tauschobjekt eine so grosse Bedeutung? Warum zahlen wir heute mit ihnen und nicht zum Beispiel mit Ösenringen, die als genormtes Handelsobjekt im europäischen Raum schon in der Bronzezeit (ca. 1800–900) verwendet wurden? Nun die Griechen verwendeten die Münzen nicht nur dazu, Ware einzutauschen, sondern sie begannen damit, jeden Gegenstand und jeden Wert zu taxieren und die neuen Münzen als Werteinheit zu verwenden.
Schon vor Einführung der Münze hatten die geschäftstüchtigen Griechen gerne Werte aneinander gemessen. Homer berichtet in einer Episode der Ilias, wie ein Troianer und ein Grieche feststellen, dass ihre Väter Freunde waren. Um nun nicht aus Versehen gegeneinander zu kämpfen, tauschten sie ihre Schilde. Homer hatte allerdings den Eindruck, dass dabei einer von beiden übertölpelt wurde, denn der Wert beider Schilde war unterschiedlich: »Hundert Rinder der eine, neun Rinder dagegen der andere.« Mit Rindern zu rechnen, mag praktisch sein, wenn man es mit grossen Werten zu tun hat, mit kostbarer Rüstung oder wertvollem Schmuck. Was aber ist – wollte man mit Rindern rechnen – die Arbeit des Bäckers wert, der aus dem vom Bauern gelieferten Getreide ein Brot gebacken hat? Wie muss man die Leistung eines Töpfers einschätzen, die er erbringt, wenn er ein Gefäss herstellt? Welchen Teil vom Rind soll man dem Lastenträger geben, wenn er einem die schweren Packen vom Schiff in den Laden trägt.
Für all diese Bewertungen war mit der neuen Münze eine Einheit geschaffen, in der man rechnen konnte. Es war möglich, den Stater aufzuteilen in Sechstel, Zwölftel, Vierundzwanzigstel, ja die kleinsten Münzen entsprechen dem Wert von einem Einhundertsechsundfünzigstel Stater. Auf einmal war jede Leistung berechenbar und zahlbar. Und hier liegt nun die eigentliche Genialität der Griechen: Aus dem neuen Handelsmedium Geld machten sie eine Masseinheit für Wert. Wenn wir heute nicht mehr mit Münzen, sondern mit Kreditkarten zahlen und kein Bargeld mehr nötig ist für Miete, Kleidung und sonstige Einkäufe, dann führen wir die griechische Abstraktion nur in letzter Konsequenz zu Ende. Wie die Griechen, haben wir das sächliche Symbol »Münze« oder »Geldschein« abstrahiert. Der bargeldlose Geldverkehr ist der Endpunkt eines Gedankens, den die Griechen in der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. zu denken begannen.
Die Erfindung des Geldes hatte für die weitere Geschichte und vor allem für die soziale und politische Entwicklung der einzelnen Staatswesen eine grosse Bedeutung. Zum ersten Mal konnte die Arbeitsleistung jedes einzelnen Berufsstandes genau gemessen und bezahlt werden. Es stand nun fest, wieviel Geld ein Söldner für zwei Wochen Kriegsdienst zu bekommen hatte, ein Arzt für die Heilung eines Patienten, ein Maler für die Erstellung eines Gemäldes. Arbeit und Lohn machten ein Leben berechenbar und möglich ohne die bisher übliche Selbstversorgung mit einem eigenen Bauernhof oder ohne einen schützenden Mäzen. Dies war die Grundlage dafür, dass in den griechischen Städten eine breite Schicht von erfolgreichen und wohlhabenden Handwerkern entstand, letztendlich eine der Ursachen für die Entstehung der Demokratie.
Doch die Tatsache, dass Arbeit »wertvoll« sein kann, impliziert zugleich den Umstand, dass es auch »wertlose« Arbeit gibt, Arbeit, für die niemand bereit ist, etwas zu zahlen. Die Möglichkeit, die Leistung eines Menschen exakt zu bewerten, macht denjenigen, der nicht den Anforderungen seiner Gesellschaft entspricht, automatisch zur Randgestalt. Ungleichheiten wachsen und werden festgeschrieben. Schon die Griechen hatten erkannt, dass die Einführung des Geldes nicht nur Gutes gebracht hatte. So verbanden sie einen der mythischen »Väter« des Geldes, den Phryger Midas, mit einer doppeldeutigen Geschichte:
Midas hatte den betrunkenen Silen gefunden, wohl bewirtet und zu Dionysos zurückgeschickt. Zum Dank gewährt der Gott dem phrygischen König die Erfüllung eines Wunsches.
Midas bittet darum, dass alles, was er berührt, zu Gold werde. Dionysos erfüllt ihm dies.
Midas berührt einen Strauch, einen Stein, einen Erdklumpen – alles wird zu Gold. Midas freut sich über seinen Reichtum, macht grosse Pläne, bis er sich das erste Mal zum Essen niedersetzt. Auch das Brot, das er bricht, die Frucht, die er essen will, wird zu Gold.
So muss er den Gott bitten, den Wunsch, der zum Fluch geworden ist, wieder von ihm zu nehmen.
Schwingt in dieser griechischen Sage nicht ein klein wenig die Erfahrung mit, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht durch Gold oder Geld zu ersetzen sind?
Die Lateinische Münzunion - Vorgänger des Euros
Quelle: Helvetische Münzenzeitung
Von Dr. Ruedi Kunzmann
Mit der Lateinischen Münzunion LMU, welche die erfolgreichste gemeinsame Währungsverbindung ihrer Zeit darstellte, entstand bereits vor 135 Jahren ein Vorgänger des Euro.
Grundlage dazu bildete das Buch «Die Lateinische Münzunion» von Albert Niederer, ein Thema, welches sowohl Bundesmünzensammler als auch Freunde der Münzen aus aller Welt interessieren wird.
Frankreich, Italien, Belgien, Schweiz und Griechenland
Geld entstand sicher aus dem Bedürfnis nach einem Wertmassstab, der den einfachen Tauschverkehr ablösen konnte. Vorerst mit vielleicht «primitiven» Geldformen, bald aber auch mittels gewichtsgleichen und einheitlich geformten Geldstücken in Gold und Silber, konnte man vermeiden, dass bei jedem Tausch- oder Zahlungsakt die entsprechende Menge Edelmetall abgewogen werden musste.
Den logischen nächsten Schritt von lokaler zu überregionaler Währungs- bzw. Münzvereinigung treffen wir etwa 520 v. Chr. in Böotien an, als sich diverse griechische Stadtstaaten um Theben, Tanagra, Heliartos und später auch Koroneia, Mykalessos, Pharei und Akraiphia zu einem allerdings lockeren Verteidigungsbündnis zusammenschlossen, welches gemeinsame Münzen prägte, die auf den Vorderseiten alle eine schildartige Verzierung aufweisen, während die Rückseiten jeweils die lokalen Symbole zeigten.
Die Geschichte des Geldes kennt unzählige solche Zusammenschlüsse. Lassen wir stichwortartig einige Beispiele aufzählen: Denare der Römerzeit zirkulierten während mehreren Jahrhunderten rund ums Mittelmeer und in halb Europa und waren mitverantwortlich für diverse Perioden stabiler Wirtschafts- und Geldpolitik dieses Weltreichs.
Im Mittelalter war es dann die Münzreform Karls des Grossen, welcher anlässlich der Synode von Frankfurt im Juni 794 ausdrücklich festhielt: «An jedem Ort, in jeder Stadt und an jedem Marktort sollen die neuen Denare gleichermassen kursieren und von allen akzeptiert werden». Der vom Frankenreich ausgehende deutliche Aufschwung des karolingischen Systems «Pfund-Schilling-Denar (= Pfennig)», führte bald auch zu einem bedeutenden Anstieg der übernationalen Güterbewegungen. Dieses bewährte System fand bis in unser Jahrhundert seine Verbreitung. So ging Grossbritannien erst 1971 zur Dezimalwährung über, und wir erinnern uns, welche Widerstände dabei überwunden werden mussten.
Die Neuzeit kennt unzählige kleinere und grössere Münz- und Währungsverbindungen. Für unser Land denken wir etwa an den Münzbund von 1404 zwischen den Bodenseestädten, Schaffhausen und Zürich, sowie an den 1424 geschlossenen Vertrag von Zürich, St. Gallen und Schaffhausen, oder an den bedeutenden Rappenmünzbund zwischen Basel, Thann, Breisach, Freiburg im Breisgau und Colmar. Wir können auch die Bestrebungen zur Vereinheitlichung des Geldes in der Helvetik dazuzählen und das Konkordatsgeld der Kantone Bern, Solothurn, Freiburg, Basel, Aargau und der Waadt ab 1825.
Europaweit erwähnenswert sind Versuche zur Vereinheitlichung des Geldes in den verschiedenen Reichsmünzordnungen von Esslingen, Nürnberg und Augsburg im 16. Jh. und später die Konventionen von Zinna, Leipzig und Hamburg/Lübeck sowie die Einführung der verschiedenen Münzfüsse (Graumannscher Fuss, Wiener Konventionsfuss, Kronentalerfuss, 24-Gulden-Fuss, etc.) um 1750.
In den lateinischen Ländern sprachen im 14. Jh. bereits Pierre Dubois und Dante Alighieri vom vereinigten Europa, dies allerdings nur im politischen Sinn, während 1713 Abbé de Saint-Pierre in seinem «Traktat zum ewigen Frieden» erstmals, wenn auch nur in Ansätzen, den Gedanken von einheitlichen Handelsgesetzen aussprach. Schlussendlich forderte Napoleon Bonaparte für sein (französisches) Europa gleiche Masse und Gewichte. Erste Grundlagen für die LMU entstammen also in dieser Zeit.
Während es in Deutschland um 1850 noch etwa acht verschiedene Münzsysteme gab und die LMU bereits vorhanden war, entstand im Norden Europas 1872 die Skandinavische Münzunion zwischen Dänemark und Schweden (dem 1875 noch Norwegen beitrat), welche bis 1924 intakt blieb, und noch heute rechnen diese Staaten in Kronen und Öre.
Die Lateinische Münzunion
Die Jahre der französischen Revolution 1789–1795 stellen eine Zeitperiode dar, welche Ursache für gewaltige Veränderungen in ganz Europa war. Napoleons Aufstieg, die Entstehung der Grossmacht Frankreich und die anschliessende Neuordnung der alten Welt nach dem Wiener Kongress 1815, sind auch für die Entstehung der LMU mitverantwortlich.
Das Frankensystem war zu Beginn des 19. Jh. durch die Eroberungen Napoleons in halb Europa gängig. Neben dem mächtigen französischen Mutterland prägten auch diverse italienische Gebiete die Münzeinheit Franken zu 5 Gramm Silber, 900/1000 fein, so die Cisalpinsche Republik 1801, das Fürstentum Lucca nach 1805, Italien als Königreich Napoleons ab 1807 und kurz darauf auch Neapel, Parma, Sardinien und die provisorischen Regierungen von Mailand und Venedig. Nach dem Fall Napoleons I. blieben verschiedene Länder bei der eingeführten Währung, so die nachfolgenden französischen Könige und die verschiedenen republikanischen Regierungen. Auch in Italien übernahmen die Savoyer als Könige von Sardinien, Piemont und Savoyen (und später als Könige von Italien) dieses Münzsystem. 1833 entschied sich das junge Königreich Belgien ebenfalls für die Geldeinheit Franc.
In der Schweiz sollen um 1820 bis zu 8’000 verschiedene Gepräge in Umlauf gewesen sein! Wenngleich diese Zahl vermutlich übertrieben ist, zeigte sich doch, dass eine Vereinheitlichung des Geldwesens dringend nötig war. Bereits im Vorfeld der Entstehung des schweizerischen Bundesstaates war heftig diskutiert worden, welches Münzsystem des benachbarten Auslandes übernommen werden sollte. Die östlichen Kantone neigten eher zum süddeutschen Währungssystem, während Bern und die nordwestlichen Gebiete den französischen Franken bevorzugten. Schlussendlich siegte diese Ansicht, und 1850 wurde der Schweizerfranken eingeführt. Um 1860 prägte folglich halb Europa nach einem einheitlichen Münzfuss, und es war nur eine logische Folgerung, dass man eine gemeinsame Union anstreben würde.
Am 23. Dezember 1865 wurde in Paris der Münzvertrag zwischen Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz unterzeichnet, der die Lateinische Münzunion begründete und am 1. August 1866 in Kraft trat. Der Vertrag liess die Nominale 100, 50, 20, 10 und 5 Franken in Gold zu und gab ihnen, wie den Silbermünzen zu 5, 2, 1, 1/2, 1/4 und 1/5 Franken, unbeschränkte Zahlungskraft im Vertragsgebiet. Der bis Ende 1879 geschlossene Vertrag konnte verlängert werden und auch weitere Staaten durften beitreten, so etwa 1868 Griechenland. Über Papiergeld enthielt der Vertrag nichts.
Obwohl regelmässige Kontakte, Sitzungen und Zusatzverträge die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Europa zu berücksichtigen versuchten (so wurden etwa auf Wunsch der italienischen Regierung die Scheidemünzen ab 1900 und diejenigen Griechenlands ab 1909 nationalisiert), scheiterte der Vertrag schlussendlich an den grossen Unterschieden der Teilnehmerstaaten und ihren Schulden, Haushaltdefiziten und nationalen Egoismen. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 wurde die LMU weitgehend zur Makulatur, und der formelle Austritt Belgiens 1926 beendete diese Münzgenossenschaft endgültig. Nach der Verordnung des eidgenössischen Bundesrates vom 1. April 1927 waren in der Schweiz nur noch die eigenen Münzen umlaufberechtigt.
Trotz des unrühmlichen Endes der LMU hatte sich aber gezeigt, dass es möglich sein sollte, ein einheitliches Währungssystem für Europa einzuführen und gemeinsames Geld zu akzeptieren. Wer weiss heute noch, dass um 1892 nur gerade 3% der in unserem Land umlaufenden Fünfliber schweizerischen Ursprungs waren? Ganze 97% stammten aus den Mitgliedstaaten der LMU. Keiner störte sich an diesem Umstand. Geldwechsel aber war eine überflüssige Sache.
Spezielles und Kurioses
Es ist nicht die Aufgabe dieses Beitrags, eine Geschichte der LMU zu schreiben, sondern die Freude am Sammeln eines Spezialgebietes zu wecken. Da wir wissen, dass gerade kleine aussergewöhnliche Spezialitäten die Würze in der Suppe des Sammlers darstellen, sind an dieser Stelle einige solche Begebenheiten stichwortartig aufgezählt.
Napoleons «Regierung der 100 Tage»
Napoleons «Regierung der 100 Tage» zeigt sich auch in den verschiedenen französischen Münzen von 1814 bis 1816. Nach der Völkerschlacht von Leipzig und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches wurde Bonaparte die Insel Elba als Fürstentum überlassen. All seine Macht aber sollte für immer unterdrückt sein. Der Bruder des 1793 enthaupteten Bourbonenkönigs Ludwig XVI. wurde als Ludwig XVIII. als neuer Regent eingesetzt. Nachdem also viele Jahre das Haupt Napoleons die Münzen geschmückt hatte, kehrten mit dem Jahrgang 1814 die bourbonischen Lilien wieder auf die Gepräge zurück. Kaum aber waren diese ausgegeben, landete Napoleon mit einigen wenigen Getreuen im März 1815 im Süden seines Mutterlandes, und die Soldaten liefen in Scharen zu ihm hinüber. Sofort wurden wieder 20-Francs- und 5-Francs-Münzen mit altem Bild geprägt, ebenfalls mit der Jahrzahl 1815. Die Schlacht bei Waterloo beendete aber endgültig Bonapartes Regime mit der anschliessenden Verbannung auf die Insel St. Helena. Bereits im selben Jahr finden wir erneut den Kopf König Ludwigs XVIII. auf den französischen Münzen.
Der Dreispiess, das Münzzeichen des «Bürgers» Zéphyrin Cameliat
Der Dreispiess, das Münzzeichen des «Bürgers» Zéphyrin Cameliat auf den französischen 5-Francs-Stücken von 1871 ist das numismatische Dokument für die erste Münze einer kommunistischen Regierung («Kommune von Paris» vom März bis Mai 1871). Sie hat auf dem Gebiet der LMU jahrelang ungehindert ihren Wert behalten. Überhaupt sind die verschiedenen Münzzeichen recht interessant, denken wir etwa an die Münzmeister- bzw. Stempelschneiderzeichen auf dem französischen Geld und den italienischen Geprägen unter Napoleon, wie zum Beispiel die «säugende Wölfin» für den Münzmeister an der Prägestätte Rom oder ganz einfach an die Münzzeichen auf unserem Schweizergeld mit «A» für Paris 1850/51 und 1894, «B.» für Brüssel und «B» für Bern.
Flamen und Wallonen
Noch heute spricht man vom Konflikt zwischen der flämischen und der wallonischen Bevölkerung Belgiens und bereits vor über 100 Jahren musste der belgische König Leopold II. diesem brisanten Problem Rechnung tragen, indem die Münzen in zwei Sprachen ausgegeben werden mussten, nämlich mit französischer oder mit flämischer Umschrift.
Päpstliche Münzen
1866 hatte der Vatikan unter Papst Pius IX. die Dezimalwährung im französischen Münzsystem eingeführt und bemühte sich in der Folge um die Mitgliedschaft in der LMU. Die Überschreitung der Prägemengen pro Kopf Einwohner verhinderte dies allerdings. Trotzdem zirkulierten Massen päpstlicher Münzen auch in unserem Land und mussten 1869 sogar eingezogen und zurückgeleitet werden.
Nicht nur die Mitgliedstaaten der LMU
Nicht nur die Mitgliedstaaten der LMU, sondern auch viele andere Länder, prägten nach dem bekannten Standard. So gibt es entsprechende Münzen aus Serbien, Bulgarien, Montenegro, Rumänien, Tunesien, Spanien, aus den Kleinstaaten San Marino und Liechtenstein, südamerikanischen Staaten und natürlich auch als Gepräge verschiedener Kolonien, wie etwa Belgisch-Kongo oder Eritrea. Der Weltmünzensammler kann also noch lange weiter zusammentragen. Die letzten Silbermünzen nach LMU-Standard prägten übrigens Venezuela bis 1965 und die Schweiz bis 1967.
Auch die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn
Auch das k. + k. Regime Österreich-Ungarn war nach dem Ausscheiden aus den Verträgen der Wiener Münzkonvention 1867 an der LMU interessiert und führte Verhandlungen über einen möglichen Beitritt, welche gar in einem Vorvertrag vom 31. Juli 1867 geregelt wurden. Bereits prägte man erste Goldmünzen mit Nominalen, welche in der LMU zugelassen werden sollten: 4 Gulden (bzw. Forint) zu 10 Franken und 8 Gulden (bzw. Forint) zu 20 Franken. Die Ausprägung mit beiden Nominalbezeichnungen auf derselben Münze erfolgte in den Jahren 1870 bis 1892, und zwar auf österreichischen wie auch auf ungarischen Stücken. Ein endgültiger Beitritt Österreichs zur LMU blieb aber aus.
Ein Blick in die Zukunft
Das 20. Jahrhundert kennt Wirtschaftszusammenschlüsse, Handelsabkommen und Geldsysteme, welche aus den unterschiedlichsten Gründen entstanden und mehr oder wenig erfolgreich waren. So gelang es etwa jahrzehntelang, Grossbritannien, mittels des Commonwealth, seine ehemaligen Kolonien über die Foreign Exchange Control Bank of England monetär an sich zu binden.
Die eigentliche Weltwährung bildet heutzutage der amerikanische Dollar, dem es sogar gelungen ist, in vielen Ländern der Welt, neben der eigentlichen nationalen Währung, als Zahlungsmittel akzeptiert zu werden. Und was ist mit Europa? 1957 erfolgte die Gründung der EWG und drei Jahre später diejenige der EFTA. Im Jahr 1967 wurde die Europäische Gemeinschaft EG gebildet, der nach und nach Grossbritannien, Irland, Dänemark, Griechenland, Spanien und Portugal beitraten. Am 7. Februar 1992 wurde der Vertrag von Maastricht von 12 Mitgliedstaaten unterschrieben, denen 1995 noch Finnland, Schweden und Österreich beitraten.
Die heutige Europäische Union war gebildet, und im selben Jahr wurde der gemeinsamen Währung EURO (zu 100 Cent) der Name gegeben. Seit dem 1. Januar 1999 verbindet diese neue Rechnungseinheit erstmals 11 europäische Länder als Buchgeld. Ab 1. Januar 2002 wurden die neuen EURO-Münzen und Banknoten eingeführt, und ein halbes Jahr später verloren die nationalen Währungen ihre Gültigkeit. Innerhalb von nur 6 Monaten wollte man 70 (!) Milliarden Umlaufmünzen von Irland bis Portugal und von Italien bis Dänemark durch gemeinsames Geld ersetzen.
Noch aber ist Europa nicht endgültig ver-EURO-isiert, sei es, dass gewisse Länder, wie Grossbritannien oder Schweden, diese Währung vorerst noch ablehnen, sei es, dass etwa Griechenland an den Konvergenzkriterien zum Beitritt verhindert wurde oder die Schweiz und die Länder in Osteuropa der EU gar nicht angehören. Die Zukunft wird zeigen, was aus dem guten alten Schweizerfranken wird!
Schweizer Fehlprägungen
Von Jürg Richter
Der schweizerische Perfektionismus in Verbindung mit der nicht minder bekannten Präzisionsarbeit und -technik gepaart mit einem Auftrag, Münzen in kleinen Auflagenzahlen herzustellen, sollte an sich schon die Existenz von Fehlprägungen ausschliessen. Das war und ist nach wie vor das Kredo der SWISSMINT mit ihrem Sitz in Bern.
Es liegt in der Natur der Sache, dass bei so geringen Auflagenzahlen von 0,5 bis 5 Millionen Exemplaren nur wenige Stücke – wenn überhaupt – die strengen Kontrollen als Fehlprägungen zu passieren vermögen. Daran ändert auch die in späteren Jahren auf bis zu 20 Millionen Exemplare erhöhte Auflage nichts. So ist es fast schon eine kleine Sensation, wenn ein Münzensammler einmal das Glück hat, eine Fehlprägungen im Umlauf zu finden.
Bei einem Vorkommen pro Fehlprägung von einigen wenigen Exemplaren bis etwa 50 Stück, bzw. in Ausnahmefällen bei den nicht so seltenen Varianten, bis maximal 250 Exemplare, zählen die Schweizer Fehlprägungen zu den seltensten weltweit überhaupt.
In der Folge sollen die wichtigsten Fehlprägungen kurz erklärt und die Art ihrer Entstehung aufgezeigt werden:
Verdrehungen
Bei den Prägemaschinen kann es vorkommen, dass entweder der obere oder der untere Prägestempel unkorrekt aber fixiert eingepasst wurden oder aber die Prägestempel lockern sich im Verlaufe der Prägungen und verdrehen sich selbständig.
Im ersten Fall gibt es dann von einer Verdrehung nur gerade diesen einen, ursprünglich falsch eingestellten Verdrehungswinkel. Beispiele dafür sind der ½ Franken 1946, 180° verdreht, der 10 Rappen 1970, 45° verdreht und der 5 Franken 1967, 40° verdreht.
Wenn sich die Stempel während des Prägevorganges lösen und selbständig verdrehen, können sämtliche Grade von Verdrehungen vorkommen.
Beispiele mit verschiedenen Verdrehungen hierfür sind der 20 Rappen 1960, der 5 Rappen 1955 und der 5 Rappen 1963.
Generell geht man davon aus, dass eine Verdrehung von bis zu 25° noch als Toleranzwert gilt. Erst bei einer grösseren Verdrehung kann von einer richtigen Fehlprägung gesprochen werden.
Randverprägungen
Der Rand einer Münze ohne Randschrift wird in einem sogenannten Prägering geprägt. Dieser hat entweder eine glatte oder eine geriffelte Innenseite. Nun kann es vorkommen, dass entweder dieser Prägering mechanisch nicht richtig eingesetzt wurde oder die noch unbeprägte Rondelle nicht korrekt in diesen Ring hineinpasste. Bei der anschliessenden Prägung resultierte dann eine unvollständige Randprägung.
Anders verhält es sich bei den Münzen zu 5, 20 (Gold) und 100 Franken in der Zeit von 1886 bis 1984 und bei den 5- Frankenstücken wieder ab 1994, deren Randprägung mit drei Randsegmenten hergestellt wurde. So konnte es vorkommen, dass durch einen Defekt einer, zwei oder alle drei Randprägestempel nicht in die richtige Position gelangten und daraus eine nur teilweise oder überhaupt keine Ausprägung des entsprechenden Segmentes erfolgte.
Ein weiteres Fehlerpotential besteht im falschen Zusammensetzen der drei Randsegmentstempel. Daraus resultierende Fehlprägungen gibt es beispielsweise deren drei beim 5 Franken 1931.
Dezentrierte Prägungen
Bei dieser Art von Fehlprägungen fällt eine Rondelle nicht in den vorgesehenen Prägering, der eine exakte Zentrierung während der Prägung bewirken sollte, sondern sie überlappt den Prägebereich, was dazu führt, dass eine dezentrierte Münze immer einen unbeprägten Teil aufweist. Je stärker die Dezentrierung ist – sie wird übrigens in % zum Gesamtdurchmesser angegeben – desto seltener sind solche Münzen. Dezentrierungen von mehr als 40% sind bis heute unbekannt.
Zainenden
Hierbei wird eine Münze auf eine unregelmässige Rondelle geprägt.
Es gibt drei verschiedene Varianten:
1. Den geradlinigen Abschluss, welcher auf einer Ausstanzung über das Zainende hinaus basiert.
2. Den halbmondartigen Abschluss, welcher auf einer überlappenden Ausstanzung basiert und schliesslich
3. den unregelmässigen Abschluss, bei welchem die Ausstanzung über das Walzende einer Zaine erfolgte.
Materialvarianten / Gewichtsvarianten
Materialvarianten resultieren meist aus einem Versehen der Herstellerfirma der Rondellen, indem ein unkorrektes Legierungsverhältnis hergestellt wurde. So ist beispielsweise eine Münze leicht magnetisch, wenn sie einen zu hohen Anteil an Nickel enthält (z.B. 5 Rappen 1970). Daneben kann es auch vorkommen, dass von einem anderen Prägevorgang (beispielsweise für ein anderes Nominal oder bei einer Prägung für ein anderes Land) eine «falsche» Rondelle in einer der Maschinen oder in einem Transportbehältnis zurückblieb und alsdann in den neuen Prägeablauf gelangte, z.B. 5 Franken 1968, welcher auf eine 2-Franken-Rondelle geprägt wurde oder 5-, bzw. 10 Rappen 1931, welche auf eine für 1932 bestimmte Reinnickel-Rondelle geprägt wurden.
Unter die Gewichtsvarianten fallen all diejenigen Münzen, die auf eine im Gewicht falsche Rondelle geprägt wurden. Solche Prägungen zeigen je nachdem eine unvollständige oder sehr flaue Prägung.
Stempelfehler
Stempelbrüche
Diese Art Fehlprägung ist an sich schon selbsterklärend. In Extremfällen kann es vorkommen, dass ein Teil eines Stempels gänzlich wegbricht und daraus auf der Münze grössere unbeprägte Stellen entstehen, was jedoch sehr selten vorkommt.
Stempelvarianten
Bei der Herstellung von Stempeln werden einzelne Punzen verwendet, wobei es vorkommen kann, dass einmal eine falsche Punze benutzt wird, wie beispielsweise beim 5 Rappen 1926, wo die Punze für das Münzzeichen «B» vom Typ vor 1918 verwendet wurde; oder aber man hatte einen alten Stempel ganz einfach «umgeschnitten», indem man die neue Jahrzahl über die alte punzte, wie beilspielsweise beim 1 Rappen 1924/25.
Stempel-Doppelprägungen
Diese entstehen beim mehrfachen Absenken der Patrize, wenn einer der Absenkvorgänge nicht exakt mit den vorherigen übereinstimmt und es zu leichten Verschiebungen kommen kann. Bei der mit so einem Stempel geprägten Münze wirkt dies dann wie eine Art Doppelprägung.
Zweifachprägungen
Wenn statt nur einer Rondelle zwei unbeprägte Rondellen gleichzeitig in den Prägering gelangen und beprägt werden, so resultieren daraus zwei Münzen, welche jeweils nur auf einer Seite das korrekte Münzbild aufweisen, wogegen die andere Seite keine oder nur ganze schwache Konturen des effektiven Münzbildes zeigt.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass eine bereits geprägte Münze nicht ausgeworfen wird und eine neue Rondelle auf ihr zu liegen kommt. Bei der anschliessenden Prägung zeigt dann die obenliegende Münze auf ihrer Unterseite den negativen Abdruck der Oberseite der untenliegenden Münze auf.
Es ist auch möglich, dass eine geprägte Münze nicht korrekt ausgeworfen wird und teilweise auf eine neue Rondelle zu liegen kommt bevor beide Münzen zusammen geprägt werden.
Eine letzte Möglichkeit besteht darin, dass zwei unbeprägte Rondellen auf einmal geprägt werden, wobei die eine Rondelle korrekt im Prägering zu liegen kommt, während die andere Rondelle mehr oder weniger stark überlappend auf die im Prägering liegende Rondelle zu liegen kommt und schliesslich beide Rondellen zusammen geprägt werden.
Weitere Fehlprägungen
Doppelt-Prägung
Diese entstehen, wenn eine geprägte Münze nicht korrekt ausgeworfen wird, sondern liegen bleibt und ein weiteres Mal geprägt wird. Dabei können folgende Szenarien eintreten:
Die Münze wird entweder beim ersten Prägevorgang dezentriert geprägt und nachfolgend korrekt zentriert oder umgekehrt; andererseits ist es möglich, dass eine Münze bei beiden Prägevorgängen korrekt zentriert geprägt wird, sich jedoch während der ersten und der zweiten Prägung verdreht.
Fremdkörperprägung
Wenn Fremdkörper wie beispielsweise Holzspäne, Fetttropfen, Metallreste oder auch Stoffteile auf eine unbeprägte Rondelle zu liegen kommen und dann mitgeprägt werden, so hinterlassen diese Fremdkörper charakteristische Fehler auf der Münze.
Randverdickung
Diese entstehen dann, wenn die für die Randprägung verantwortlichen Stempel nicht exakt an die Ober- und Unterseitenstempel anschliessen und ein kleiner Zwischenraum bleibt. Bei der anschliessenden Prägung wird dann Material in diesen Zwischenraum gedrückt, was zu einem stellenweise viel dickeren Rand führt.
