Das Mittelalter

Die grosse germanische Völkerwanderung, die für das Abendland gleichbedeutend war mit dem Ende der Antike und dem Beginn des Mittelalters, führte im Geldwesen zu einem tiefgreifenden Umbruch. Im römischen Reich hatte ein gutfunktionierendes, einheitliches System bestanden, ein ausgebautes Münzsystem mit Gold-, Silber- und Kupferprägungen. An seine Stelle traten nun unzählige rudimentäre Münzsysteme in einer Vielzahl von naturalwirtschaftlich ausgerichteten Nachfolgereichen.

Brandenburg-Preussen, Brakteat 12. Jahrhundert

Brandenburg-Preussen, Brakteat 12. Jahrhundert

Unter diesen gewann das fränkische Reich zusehends an Bedeutung. Hier wurden unter Karl dem Grossen (768–814 n.Chr.) die in vielen verschiedenen Prägeorten geschlagenen, merowingischen Kleingoldmünzen durch eine silberne Einheitsmünze, den Pfennig oder Denar, ersetzt.

Die aus dünnem Silberblech hergestellten Pfennige des Hoch- und Spätmittelalters, Brakteaten oder Hohlmünzen genannt, waren nur einseitig geprägt und von sehr hohem Relief. Um diese dünnen und leichten Münzen nicht zu beschädigen, bewahrte man sie sorgsam in Horn- oder Holzkapseln auf.

"Bistum Metz, Groschen 14. Jahrhundert (Vorder- und Rückseite)"Bistum Metz, Groschen 14. Jahrhundert (Vorder- und Rückseite)

"Bistum Metz, Groschen 14. Jahrhundert (Vorder- und Rückseite)

Mit dem 13. Jahrhundert begann sich das Münzwesen zu wandeln. Neben dem Pfennig kamen nun auch neue Münzsorten in Gold und Silber in Umlauf. Durch Münzverträge wurden die Wechselkurse sowie die auf eine Mark (ca. 240 g) auszuprägende Menge an Pfennigen laufend neu festgelegt. Die Verleihung der Münzrechte an Pfalzgrafen, Äbte und Bischöfe bewirkte oft eine rasante Münzverschlechterung. So waren denn in der mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Streitigkeiten zwischen den Münzherren und den die Geldordnung überprüfenden öffentlichen Instanzen ein ständiges Thema.

Florenz, Fiorino d’oro 1198-1532 (Vorder- und Rückseite)

 Die ersten Goldmünzen von Florenz eroberten im 13. Jahrhundert als massgebendes Zahlungsmittel rasch Mittel- und Osteuropa. Zahlreiche Länder und Städte stellten in der Folge Florentiner Münzmeister ein und kopierten den «Fiorino d’oro». Dem Vorbild der Florentiner Goldprägung folgte im Jahre 1284 die Stadt Venedig mit Zecchinen, welche bis ans Ende des 18. Jahrhunderts ausgeprägt wurden. Auch England und Frankreich prägten Goldmünzen. Diese wurden auf grossen und sehr dünnen Schrötlingen geprägt. Sie zeigen Heilige, Wappen und thronende Herrscher. All diesen Münzen gemeinsam ist die hohe künstlerische Aussagekraft, sei es im Stil der Spätromanik, der Gotik oder der Renaissance.